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Dauer: ca. 1,5 Stunden
Länge: ca. 6 km

Auf den Spuren des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier

Ingolstadt nimmt in der Geschichte des Bieres und des Bierbrauens eine bedeutsame Rolle ein: In der Donaustadt wurde im Jahr 1516 von Herzog Wilhelm IV. Das Bayerische Reinheitsgebot für Bier erlassen. Dabei handelt es sich nicht nur um das älteste, auch heute noch gültige Lebensmittelgesetz der Welt, sondern gleichzeitig um die Grundlage für die weltweit bekannte und geschätzte Qualität des bayerischen Bieres. Die Spuren dieses historischen Erbes finden sich an vielen Stellen in der Ingolstädter Altstadt, nicht zuletzt auch beim reinen Bier selbst, das in den urigen Gaststätten und gemütlichen Biergärten der Schanz genossen werden kann. Der Ingolstädter Bierrundgang nimmt Sie mit auf eine spannende und unterhaltsame Entdeckungsreise zu den Wurzeln des Bayerischen Reinheitsgebotes.

 

Geschichtlicher Hintergrund

Spätestens mit der Gründung der Ersten Bayerischen Landesuniversität im Jahre 1472 wuchs das Interesse für Bier auch in Ingolstadt immer. Auch die zahlreichen Soldaten, die in der Festung Ingolstadt stationiert waren, waren dem Bier natürlich nicht abgeneigt. So entstanden immer mehr Brauereien; bis in die 1570er Jahre waren es bereits knapp 30 gewerbetreibende Bierbrauer, wobei es natürlich noch keine großen Brauereien wie heute gab.
Durch die Wiedervereinigung der damals vier Teilherzogtümer Bayerns im Jahre 1506 wurde es notwendig, die verschiedenen Landrechte einander anzugleichen. Das war der Grund, weshalb im Jahre 1516 Vertreter des Adels, Prälaten und Abgesandte der Städte und Märkte zum bayerischen Landständetag nach Ingolstadt kamen. Am Georgitag (23. April) wurde - als Bestandteil einer umfassenden Landesverordnung - das Bayerische Reinheitsgebot für Bier erlassen. Damit wurde im Wesentlichen festgelegt:

“Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.”

Mit dieser Vorschrift wollten die Herzöge zum einen dafür sorgen, dass das Bier bekömmlich und nicht mehr gesundheitsschädlich war, denn bis dahin war es nicht unüblich gewesen, dem Bier Zutaten wie Wermut, Ochsenkralle, Tollkirsche, Johanniskraut oder Pech beizumischen. Dies sollte einerseits die Rauschwirkung verstärken, andererseits waren diese zweifelhaften Ingredenzien billige geschmacksbildende Alternative zum teuren Hopfen und Malz. Zum anderen galt es, die anderen Getreidesorten für die Brotherstellung zu schützen.

 

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Galerie

Streckenverlauf und Stationen

1.) Altes Rathaus
Der Kernbestand des Alten Rathauses im historischen Zentrum der Stadt stammt aus dem 14. Jahrhundert. 1882 wurde das Ensemble unter der Federführung des Münchner Architekten Gabriel von Seidl völlig neu gestaltet. Heute ist es der Sitz des Oberbürgermeisters von Ingolstadt. Im Alten Rathaus sollen im April 1516 die Vertreter des Adels, Prälaten und Abgesandte der Städte und Märkte zum bayerischen Landständetag unter Führung von Herzog Wilhelm IV. getagt und das Bayerische Reinheitsgebot für Bier erlassen haben.

2.) Neues Schloss
Im Neuen Schloss, das im 15. Jahrhundert von den bayerischen Herzögen Ludwig VII von Bayern-Ingolstadt und Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut erbaut wurde, ist heute das Bayerische Armeemuseum untergebracht. Im weitläufigen Innenhof wurde das Bayerische Reinheitsgebot für Bier, das auf einer Sitzung des Landständetages in Ingolstasdt verabschiedet worden war, der Öffentlichkeit verkündet und die Bestimmungen für das Bierbrauen auf ganz Bayern ausgedehnt.

3.) Ziegelbräustraße
Die Ziegelbräustraße am Südausgang des Holzmarktes weist – wie dies an vielen Stellen im Bereich der Ingolstädter Altstadt der Fall ist – darauf hin, dass es hier in früheren Zeiten eine Brauerei gegeben hatten, die sog. “Ziegelbräu”. Erstmals urkundlich erwähnt ist das Ziegelbräuhaus an der Ecke Ludwigstraße/Ziegelbräugasse im Jahre 1745. Es wird aber angenommen, dass das Brauwesen schon lange Zeit vorher bestanden hatte. Die Besitzverhältnisse dieses Braubetriebs wechselten häufig, im Jahre 1865 kaufte die heute noch existierende Brauerei Nordbräu das Gebäude. Zwar wurde damit der Braubetrieb stillgelegt, jedoch wurde noch bis 1955 in der Brauereigaststätte Bier vom heutigen Nordbräu ausgeschenkt. Hernach wurde das Gebäude abgerissen und es entstand ein Einzelhandelskaufhaus.

4.) Ehemaliges Ingobräu-Gelände
Die Brauerei wurde 1507 von Lorenz Schöffer aus Oberarnbach gegründet, der aus Oberarnbach stammte. Während der Jahrhunderte befand sich die Brauerei in verschieenen Besitzverhältnissen, bis sie 1801 Joseph Weinzierl erwarb. Nach dessen Tod war sie in den Besitz der Familie Hollweck übergegangen, die sie ab 1978 unter dem Namen “Ingobräu” weitergeführt hatte. Ende 2007 hat die Brauerei die Produktion von Bier eingestellt, die Markenrechte erwarb die heute noch existierende Brauerei Herrnbräu. Das Brauereigelände im Norden der Ingolstädter Altstadt wurde an einen Ingolstädter Investor verkauft. Dieser gestaltete das weitläufige Areal um und bebaute es unter dem Namen Ingohöfe mit Wohnungen.

5.) Griesmüllers Altstadtbrauerei
Der Begriff “Griesmüller” geht zurück auf die sog. Griesmühle. Einst von der Schutter angetrieben, versorgte die Mühle seit dem 13. Jahrhundert die Altstadtbewohner mit Schrot, Grieß und Mehl. Seit 150 Jahren befindet sie sich im Familienbesitz des Inhabers der Altstadtbrauerei. Zwar wurde 1962 der Mahlbetrieb eingestellt, die handwerkliche Tradition lebt aber in Griesmüllers Altstadtbrauerei weiter. Griesmüllers Altstadtbrauerei ist stark mit der Region verwurzelt und verwendet zum Brauen der Biere nur Jura-Gerste, Hopfen aus der Holledau und Karstwasser aus Ingolstadt. Gebraut wird natürlich nach dem Reinheitsgebot.

6.) Landständehaus
Das Landständehaus war im Mittelalter die ständige Vertretung der Landstände, also der Vertretrer des Adels, Prälaten und Abgesandte der Städte und Märkte. In dem Gebäude (Theresienstraße 25) mit dem markanten bayerischen Rautenwappen über dem zentralen Eingang haben regelmäßig die Landstände in Ingolstadt getagt.

7.) Poppenbräu Der “Poppenbräu” ist ein weiteres Beispiel für die mehr als 30 Braueien, die es anno dazumal in Ingolstadt gegeben hat. Direkt an der Ecke Theresien-/Poppenbräustraße, in einem markanten Treppengiebelgebäude, war seit 1590 der Poppenbräu ansässig. Namensgebend war ein Anton Popp. , dessen Nachfahren den Sudbetrieb erst 1786 weiter veräußerten. Nach mehreren Besitzerwechseln übernahm der Schäffbräu im Jahre 1920 die Brauerei. Bis zum Umbau in den heutigen Zustand (1980er-Jahre) wurde in der Brauereigaststätte nur noch der Schankbetrieb aufrechterhalten.

8.) Biergarten Schutterhof
Der Schutterhof überrascht schon durch den ersten Eindruck - seine einmalige Lage inmitten der Festungsanlagen ist von außen nicht einsehbar und bietet völlig neue Biergartenperspektiven. Der Biergarten, in dem man dem Genuss des reinen Bieres frönen und regionale Spezialitäten geniessen kann, befindet sich in einem ehemaligen Militärbad der Bayerischen Landesfestung.

 

9.) Alte Anatomie mit Anatomiegarten
Der spätbarocke, im Stil einer Orangerie konzipierte Prachtbau wurde 1723 nach Plänen von Gabriel de Gabrieli errichtet und beherbergte eine der ersten medizinischen Fakultäten. Aus dieser Zeit stammt auch der Anatomiegarten, eine zauberhafte grüne Oase, die sich direkt an das Gebäude anschließt. Der "hortus medico botanicus" lieferte den Medizinstudenten und ihren Lehrern Anschauungs- und Arbeitsmaterial. Im Garten lässt sich auch das ein oder andere Kraut entdecken, das in den damaligen Zeiten – vor dem Erlass des Bayerischen Reinheitsgebots für Bier – dem Getränk beigemischt wurde, z.B. Tollkirsche, Johanniskraut, etc.

10.) Biergarten am Künettegraben
Der Biergarten am Künettegraben liegt sehr reizvoll am Ufer des Künettegrabens, der das Glacis am westlichen Altstadtrand durchzieht. Mitten im ehemaligen Schussfeld vor den Festungsanlagen der Schanz genießt man ein reines Bier, mit freiem Blick auf die sich stolz erhebenden Türme des Liebfrauenmünsters.

11.) Schäffbräustraße
“Schäffbräu” ist der ehemalige Name der Ingolstädter Brauerei Ingobräu. Aus dem Jahr 1613 ist bekannt, dass die Brauerei einem Hans Thonapaur gehörte, der als Besitzer des Schäffbräus eingetragen wurde. Ab 1883 ging die Brauerei vom Hausschank auf industrielle Produktion über und vermarktete ihr Bier regional. 1921 wurde die Schäffbräu Ingolstadt GmbH gegründet und für familienfremdes Kapital geöffnet, 1978 wurde die Brauerei in Ingobräu umbenannt.

12.) Biermuseum Zum Kuchlbauer
Der Kuchlbauer blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück: Schon im 17. Jahrhundert war dort die Brauerei Angermiller beheimatet, deren Anwesen 1892 den Besitzer wechselte; das Brauwesen wurden daraufhin in Schlosserbräu umbenannt. Heute ist die ehemalige Brauereigaststätte als Kuchlbauer bekannt. Den Beinamen Biermuseum trägt die urige Traditionsgaststätte aufgrund der beeindruckenden Sammlung aus alten Brauinstrumenten, Werkzeugen und Utensilien aus dem jahrhundertelangen Braugewerbe.

13.) Georgianum mit Fasshalle
Das Georgianum ist ein aus dem 15.Jahrhundert stammender, dreigeschossige Bau mit ebenfalls dreigeschossigem Satteldach. Der östliche Teil des Gebäudekomplexes besteht aus der profaniertebn Kapelle St. Peter und Paul. Das Gebäude diente im Laufe der Zeit unterschiedlichen Einrichtungen und wurde je nach Nutzung baulich mehrfach verändert. Unter anderem richtete 1817 die Brauerei Herrnbräu im Georgianum eine Gastwirtschaft mit Brau- und Mälzereianlagen ein. Als die Brauerei schrittweise verlegt wurde, verblieb im Georgianum ab 1964 nur noch die Verwaltung.

14.) Ingolstädter Bierbrunnen
Anlässlich des 500-jährigen Jubiläum des Reinheitsgebots im Jahre 2016 entstand am Georgianum ein einzigartige Brunnen, der Ingolstädter Bierbrunnen. Aus einem Künstlerwettbewerb der Stadt ging der Gestaltungsentwurf der Neuburger Bildhauerin und Malerin Alexandra Fromm als Sieger hervor. Der ausgestaltete Brunnen ist eine mittelalterlich inspirierte Darstellung heiterer Menschen beim Bierzapfen - im Hintergrund ist das Ingolstädter Kreuztor. Der Bierbrunnen ist damit eine Hommage an die Lebensfreude und natürlich an die Stadt des Reinheitsgebots.

15.) Gaststätte und Mikrobrauerei Daniel
Die Gaststätte Daniel ist die älteste auch heute noch betriebene Traditionsgaststätte in Ingolstadt. In den urigen Gasträumen und im gemütlichen Biergarten genießt man das reine Bier und exklusive Bierspezialitäten aus der hauseigenen Mikrobrauerei.

16.) Weissbräuhaus zum Herrnbräu
Das Weissbräuhaus zum Herrnbräu, inmitten der Dollstraße, der Ingolstädter Kulinarikmeile, ist bekannt für seine Weißbiespezialitäten von Herrnbräu, sowie seine typisch bayerischen Speisen. Täglich um 12.00 Uhr und um 17.00 Uhr läutet ein Glockenspiel.